Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanten Download 3,7 GB 

 

 

 

Andacht 14. So. n. Trinitatis von Pfarrerin Anna Scholz

„...deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war...“

Friede sei mit Euch.

Psalm 139: Ein Gebet aus Israel

Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war,und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Lk 19, 1-10

Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Meistens hast du deine Meinung schon im Kopf über die anderen. Ah, die Dicke da aus der Parallelklasse. Weiß schon. Ja, klar, der Kollege, der immer dem Chef die Aktentasche trägt. Diese Angebertussi, immer die neuesten Klamotten, aber total uncool. Der da, mit der fetten Brille, bestimmt ein Oberstreber. Diese Bonzennachbarn mit ihrem dicken Porsche. Ein paar Blicke, und du weißt Bescheid. Gucken, abchecken, urteilen. So isses. Und umgekehrt ist es auch so ähnlich. Du hast deine Rolle und die nimmst du ein. Du siehst die anderen und sie sehen dich.

Zachäus sitzt auf dem Baum. Eine riesen Menschenmenge ist zusammengeströmt. Alle wollen Jesus sehen. Er halt auch, er hat schon einiges gehört. Aber so mitten zwischen die Leute traut er sich nicht. Er weiß ja, was sie alle von ihm denken. Dass er ein Gauner ist und ein Betrüger. Der mit den Herrschern Geschäfte macht und sich obendrein noch ganz schön was in die eigene Tasche wirtschaftet. Und ein bisschen stimmts ja auch. Irgendwie hat sich das halt so ergeben. Er war immer schon ziemlich klein und die anderen haben über ihn hinweggeguckt. Manchmal wär er auch gerne einer gewesen der ganz vorne mit dabei ist. Cool und stark und anerkannt. Aber das war ihm schon klar, dass er nie einer werden kann, zu dem andere aufschauen. Der irgendwie von Bedeutung ist. Und dann ist er da halt so reingeraten in sein Business. Jetzt hat er wenigstens Geld und ein gutes Leben. Geht ja wohl keinen was an, wie er das geschafft hat. Man muss ja schließlich sehen, wo man bleibt. Und dass die andern mit ihm nichts zu tun haben wollen, ist ihm auch egal, wollten sie früher ja eigentlich auch nicht. Er braucht die anderen nicht mehr. Die Blicke der anderen können hart sein. Und dich hart machen. Und dann glaubst du vielleicht selbst, du bist so, wie alle denken. Und du richtest dich ein. Und machst so weiter. Und denkst nicht mehr nach, wo du eigentlich hinwillst, wer du auch noch bist und ob du vielleicht doch noch viel mehr in dir hast, als das, was die andern sehen. Zachäus hört eine Stimme. Hey, Zachäus, komm runter! Wir wollen in dein Haus gehen! Er zuckt zusammen. Ist da jetzt wirklich er gemeint? Jesus ist es, der da spricht. Der schaut ihn an, ihn! Den Zöllner, den sonst alle bloß verächtlich betrachten. Und jetzt steht da unten Jesus, der, den alle bewundern und sehen wollen und der redet mit ihm. Und guckt ihn an und zwar anders als er das gewöhnt ist. Freundlich und offen. Und interessiert. Und da wird es Zachäus plötzlich irgendwie komisch zumute. So hat ihn eigentlich noch nie einer angesehen. Und jetzt, wo er diesen Blick auf sich spürt, da wird es ihm warm ums Herz und er weiß nicht so genau, ob er jetzt weinen oder lachen soll. Und er fühlt auf einmal, dass er vielleicht ja doch noch ganz was anderes ist, als was er von sich selbst schon so lange denkt. Der Kleine. Der Zöllner. Der Gauner und Betrüger. Er hat eine Bedeutung. Er wird gesehen. Und da sieht er sich selbst plötzlich auch anders. Auch er ist ein Sohn Abrahams. Es kann alles anders werden. So ein Blick kann alles ändern. Der in dir sieht, was du vielleicht noch gar nicht bist. Ein Blick, der dich nicht festlegt auf das, was offensichtlich ist. Ein Blick, der dir zutraut, dass du alles Mögliche sein kannst. Ein Blick, der mehr in dir sieht, als das, was du selbst von dir denkst. Ein Blick aus Liebe. Schön wär das, wenn mich immer jemand so anschaut. Und auch, wenn ich das selbst immer könnte. Nicht nur das sehen, was außen ist. Dahinterblicken. Mir nicht gleich ein Bild machen, sondern zulassen, dass eins entsteht. Ich glaube, Gottes Blick ist so ein Blick. „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war..“ Gott schaut dich an. Und legt dich nicht fest auf das, was wir Menschen sehen mit unseren Menschenaugen. Er schaut in dein Herz. Und erkennt wie du´s meinst. Und sieht, was du dir vielleicht selbst gar nicht zutraust. Ein Blick aus Liebe. Jesus schaut Zachäus an. Mit einem Blick, der nichts festlegt und alles möglich macht. Mit Menschenaugen. Und trotzdem: Mit Gottes Blick. Das möchte ich auch versuchen, so zu sehen. Im anderen erkennen, was er oder sie vielleicht noch gar nicht ist. Aber sein kann. Gottes Blick für dich und mich. Aus Liebe. Amen.

Lied: EG+ 102 1+4 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, oh Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst, nach Glück,

nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.

In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns,

oh Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,

nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst bitten wir.

Wir hoffen auf dich, sei da sei uns nahe, Gott.

Fürbittengebet

Gott, in unserer Welt ist vieles nicht perfekt,

ganz im Gegenteil.

Es gibt Unrecht, es gibt Gewalt, Lüge und Betrug, Krieg und Elend.

Und manchmal wollen wir am liebsten wegschauen

Und es einfach ignorieren

Und fühlen uns hilflos.

Wir bitten dich um Mut und Kraft.

Wir bitten dich um Hilfe für alle,

die in Not sind

Wir bitten dich für alle, die wegen ihres Engagements für eine bessere Welt verfolgt und bedroht werden

Wir bitten dich für Menschen ohne Zuhause

Wir bitten dich für alle auf der Flucht.

Wir bitten dich für alle, die niemand liebevoll anschaut

Wir bitten dich für alle, die unter Vorurteilen leiden

Wir bitten für alle, die sich nichts zutrauen.

Wir bitten für alle, die Hoffnung brauchen.

- Stille -

Vater unser im Himmel,...

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen, Amen, Amen

Bleiben Sie behütet und gesund.

Ihre Pfarrerin Anna Scholz

13.09.2020

 

                                                                     

 

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